Jitsi vs Zoom vs Teams: Videokonferenz-Software im Vergleich (2026)

Von René Koch 9 Min. Lesezeit
Vergleich Videokonferenz Jitsi Zoom Teams Self-Hosted

Montag, 9 Uhr, Stand-up-Meeting. Du klickst auf den Zoom-Link, wirst gefragt, ob du die App aktualisieren willst, wartest 30 Sekunden auf den Host, und dann taucht ein Banner auf: “Ihr Plan unterstützt Meetings bis 40 Minuten.” Dein Kollege versucht es parallel über Teams, aber der Browser sagt “Für die beste Erfahrung laden Sie die Desktop-App herunter.” Und irgendwo im Hintergrund fließen die Daten eures Gesprächs über Server in den USA.

Es muss nicht so sein. Aber welches Tool passt wirklich zu deinem Team? Hier der direkte Vergleich der drei relevantesten Videokonferenz-Lösungen für KMU — mit ehrlicher Einschätzung, wann welches Tool die bessere Wahl ist.

Der Vergleich auf einen Blick

KriteriumJitsi MeetZoomMicrosoft Teams
Kosten0 EUR (nur Serverkosten)ab 13,33 EUR/Monat/Lizenzab 4,00 EUR/Nutzer/Monat (M365)
Kosten für 10 Nutzer/Jahrca. 180-360 EUR (Server)ca. 1.600 EURca. 480-1.500 EUR (je nach Plan)
Kostenloser PlanVollständig kostenlos40-Min-Limit, 100 TeilnehmerEingeschränkt (ohne M365-Abo)
Max. Teilnehmer75-100 (je nach Server)100-1.000 (je nach Plan)100-1.000 (je nach Plan)
DatenspeicherortDein Server (EU)USA (EU-Option gegen Aufpreis)USA/EU (je nach Vertrag)
Account für TeilnehmerNeinNein (mit Link)Ja (für volle Funktionen)
Account für HostOptionalJaJa (M365-Konto)
Screen-SharingJaJaJa
AufzeichnungJa (Jibri, auf eigenem Server)Ja (Cloud oder lokal)Ja (Cloud)
Breakout-RoomsJa (seit 2024)Ja (ausgereift)Ja
Virtuelle HintergründeJa (begrenzt)Ja (sehr gut)Ja
Untertitel/TranskriptionJa (Jigasi)Ja (KI-gestützt)Ja (KI-gestützt)
Ende-zu-Ende-VerschlüsselungJa (für alle Meetings)Optional (eingeschränkt)Nur 1:1-Calls
Self-Hosted möglichJaNeinNein
Open SourceJaNeinNein
DSGVO ohne AVVJaNeinNein
Mobile AppJa (iOS + Android)Ja (iOS + Android)Ja (iOS + Android)
Browser-NutzungVoll funktionsfähigEingeschränktEingeschränkt
Kalender-IntegrationÜber Cal.com oder APINative (Google, Outlook)Native (Outlook, M365)
LernkurveSehr niedrigNiedrigMittel

Kosten: Was du wirklich zahlst

Jitsi Meet: Server statt Abo

Jitsi ist kostenlos. Die Software ist Open Source, es gibt keine Lizenzgebühren, keine Nutzer-Limits, keine versteckten Kosten. Du zahlst nur für den Server, auf dem Jitsi läuft.

Ein VPS mit 4 CPU-Kernen und 8 GB RAM — ausreichend für die meisten KMU — kostet zwischen 15 und 30 EUR im Monat. Das sind 180-360 EUR im Jahr, unabhängig davon, ob 2 oder 20 Personen das System nutzen.

Bei mir läuft Jitsi als Teil meines Docker-Stacks. Der Server, auf dem Jitsi läuft, hostet gleichzeitig dutzende andere Dienste. Die anteiligen Kosten für Jitsi liegen bei wenigen Euro im Monat.

Zoom: Pro Lizenz, pro Monat

Zoom rechnet pro Lizenz ab. Eine Lizenz kostet aktuell ab 13,33 EUR im Monat (Workplace Business Plan). Der kostenlose Plan erlaubt Meetings mit bis zu 100 Teilnehmern, aber mit einem 40-Minuten-Limit bei Gruppen-Calls. Für die meisten KMU reicht das nicht.

Bei 10 Nutzern zahlst du ca. 133 EUR im Monat oder 1.600 EUR im Jahr. Dazu kommen optionale Kosten für Cloud-Speicher, Webinar-Add-ons oder erweiterte Telefonfunktionen.

Microsoft Teams: Versteckt im M365-Paket

Teams ist Teil von Microsoft 365. Wenn du bereits M365 nutzt, hast du Teams “kostenlos” dabei — aber das M365-Abo kostet natürlich. Der Business Basic Plan liegt bei 6,00 EUR pro Nutzer und Monat, der Business Standard bei 12,50 EUR.

Der Vorteil: Du bekommst nicht nur Teams, sondern auch Word, Excel, PowerPoint, OneDrive und SharePoint. Wenn du diese Tools ohnehin brauchst, ist Teams quasi inklusive. Wenn du nur eine Videokonferenz-Lösung suchst und kein Microsoft-Ökosystem hast, ist Teams allein zu teuer und zu schwerfällig.

Datenschutz und DSGVO

Jitsi: Deine Infrastruktur, deine Regeln

Wenn du Jitsi auf deinem eigenen Server in der EU betreibst, gibt es keinen Datentransfer in Drittländer. Keine Auftragsverarbeitungsverträge mit US-Firmen nötig, keine Unsicherheit wegen transatlantischer Datentransfers. Die Video- und Audio-Streams laufen über deinen Server, die Aufzeichnungen liegen auf deiner Festplatte.

Das ist nicht nur ein Datenschutz-Argument — es ist ein echtes Verkaufsargument gegenüber Kunden in regulierten Branchen. Wenn du Anwälte, Steuerberater oder Gesundheitsdienstleister als Kunden hast, ist “Videokonferenz auf eigenem Server in Deutschland” ein Vertrauenssignal.

Zoom: Besser geworden, aber US-basiert

Zoom hat seit 2020 nachgebessert. Es gibt ein EU-Rechenzentrum (Frankfurt), und Enterprise-Kunden können Datenrouting über die EU erzwingen. Aber: Die Firma sitzt in den USA, unterliegt dem CLOUD Act, und die Verschlüsselung ist nicht standardmäßig Ende-zu-Ende. Du brauchst einen AVV, musst den Datentransfer dokumentieren und trägst das Restrisiko.

Teams: Microsoft-Ökosystem mit allen Konsequenzen

Microsoft bietet EU-Datenresidenz für M365-Kunden an (EU Data Boundary). Das ist ein Fortschritt. Aber Microsoft sammelt umfangreiche Telemetriedaten, und die Transparenz darüber, welche Daten wohin fließen, ist begrenzt. Du brauchst einen AVV, und die Konfiguration für maximale Datenschutz-Compliance ist alles andere als trivial.

Funktionen im Alltag

Wo Zoom vorne liegt

Große Meetings und Webinare: Zoom ist für Meetings mit vielen Teilnehmern optimiert. Bis zu 1.000 Teilnehmer, stabile Performance, professionelle Webinar-Funktionen. Wenn du regelmäßig Veranstaltungen mit 100+ Teilnehmern durchführst, ist Zoom die ausgereifteste Option.

KI-Funktionen: Zoom AI Companion bietet automatische Meeting-Zusammenfassungen, Echtzeit-Transkription und intelligente Aufgabenextraktion. Das spart bei vielen Meetings tatsächlich Zeit — allerdings werden die Daten dafür über Zoom-Server verarbeitet.

Breakout-Rooms: Zoom hat die beste Implementierung von Breakout-Rooms. Voreinstellbare Gruppen, Timer, Broadcast-Nachrichten an alle Räume, automatische oder manuelle Zuweisung. Für Workshops und Schulungen ein echtes Plus.

Wo Teams vorne liegt

Office-Integration: Wenn dein Team mit Word, Excel und PowerPoint arbeitet, ist die Integration nahtlos. Dokumente direkt im Meeting bearbeiten, Notizen in OneNote, Aufgaben in Planner — alles ohne Tool-Wechsel. Teams ist kein reines Videokonferenz-Tool, sondern eine Kollaborationsplattform.

Chat und Kanäle: Teams bietet dauerhafte Chat-Kanäle, die über einzelne Meetings hinausgehen. Für Teams, die asynchron und synchron kommunizieren wollen, ist das ein Vorteil gegenüber Zoom und Jitsi.

Telefonie: Teams kann als vollständige Telefonanlage fungieren (mit Calling Plan oder Direct Routing). Wenn du VoIP brauchst, sparst du dir ein separates System.

Wo Jitsi vorne liegt

Kein Account nötig: Das ist Jitsis größter Alltagsvorteil. Du schickst einen Link, der Teilnehmer klickt, gibt seinen Namen ein und ist im Meeting. Kein Download, keine Registrierung, keine “Bitte akzeptieren Sie die Nutzungsbedingungen”-Dialoge. Für externe Teilnehmer — Kunden, Lieferanten, Partner — ist das eine deutlich bessere Erfahrung als “Bitte erstellen Sie erst ein Teams-Konto”.

Browser-native: Jitsi läuft vollständig im Browser, basierend auf WebRTC. Keine App nötig, kein Plugin, keine Erweiterung. Das funktioniert auf jedem Gerät mit einem modernen Browser.

Anpassbarkeit: Du kannst die Oberfläche anpassen, eigene Branding-Elemente einbauen und Funktionen aktivieren oder deaktivieren. Bei mir sieht Jitsi aus wie ein Teil meiner eigenen Infrastruktur — weil es das auch ist.

Integration mit Cal.com: Wenn du Cal.com für Terminbuchung nutzt, generiert Cal.com automatisch einen Jitsi-Meeting-Raum für jeden gebuchten Termin. Kein manuelles Erstellen von Links, alles auf deiner Infrastruktur.

Auch erwähnenswert: BigBlueButton

Für Schulen, Universitäten und Bildungseinrichtungen gibt es noch BigBlueButton — eine Open-Source-Lösung, die speziell für Online-Unterricht entwickelt wurde. Whiteboard, Umfragen, Breakout-Rooms und Aufzeichnung sind nativ integriert. Wenn dein Hauptanwendungsfall Schulungen oder Workshops sind, lohnt sich ein Blick darauf. Für den allgemeinen Geschäftseinsatz ist Jitsi allerdings schlanker und einfacher zu betreiben.

Empfehlungsmatrix: Welches Tool für welchen Einsatz?

SituationEmpfehlungBegründung
Kleine Teams (2-20), tägliche MeetingsJitsiKostenlos, kein Account-Zwang, DSGVO-sicher
Externe Kundengespräche (sensible Daten)JitsiKeine Drittanbieter, Ende-zu-Ende-Verschlüsselung
Webinare mit 100+ TeilnehmernZoomStabilste Lösung für große Gruppen
Team arbeitet bereits mit Microsoft 365TeamsBereits bezahlt, nahtlose Office-Integration
Workshops mit Breakout-RoomsZoomBeste Breakout-Room-Implementierung
Budget ist wichtiger als FeaturesJitsiKeine laufenden Lizenzkosten
Kunden in regulierten BranchenJitsiDaten bleiben auf eigenem Server
Internationales Team, verschiedene ZeitzonenZoom oder TeamsKalender-Integration, asynchrone Features

Meine Empfehlung

Ich nutze Jitsi für alle meine Meetings — interne wie externe. Seit über zwei Jahren, ohne einen einzigen Ausfall. Die Qualität ist vergleichbar mit Zoom, die Einrichtung war eine Sache von 30 Minuten, und ich zahle keinen Cent für Lizenzen.

Nimm Jitsi, wenn du ein kleines bis mittleres Team hast, DSGVO ernst nimmst und bereit bist, einen Server zu betreiben. Die meisten KMU-Meetings haben 3-10 Teilnehmer — dafür ist Jitsi perfekt dimensioniert.

Nimm Zoom, wenn du regelmäßig große Meetings oder Webinare mit externen Teilnehmern durchführst und die professionellen Features brauchst. Zoom ist das polierteste Produkt am Markt, und manchmal ist “es funktioniert einfach” den Preis wert.

Nimm Teams nur, wenn du bereits im Microsoft-365-Ökosystem bist. Teams allein lohnt sich nicht — aber als Teil von M365 ist es eine brauchbare Videokonferenz-Lösung, die du nicht extra bezahlen musst. Wenn du Teams nicht schon hast, würde ich es nicht dafür anschaffen.

Für die meisten KMU, mit denen ich arbeite, ist Jitsi die beste Wahl. Kein Abo, keine Daten auf fremden Servern, keine Account-Pflicht für Teilnehmer. Und wenn du bereits andere Self-Hosted-Tools nutzt — CRM, E-Mail-Marketing, Terminbuchung — passt Jitsi nahtlos in deinen Stack.


Du willst mehr über Jitsi erfahren, inklusive Setup-Anleitung und technischer Details? Dann lies meinen ausführlichen Artikel Videokonferenz ohne Zoom — Jitsi Meet selbst hosten. Und wenn du sehen willst, wie alle diese Tools zusammenspielen, schau dir meinen Artikel über 65 Docker-Container an.

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