Pflanzenschutz-Dokumentation digital: Pflicht seit 2026

Von Dipl.-Ing. René Koch 7 Min. Lesezeit
Landwirtschaft Pflanzenschutz Ackerschlagkartei Dokumentation Digitalisierung PSM-DOK Förderung 2026

Seit dem 1. Januar 2026 ist die digitale Dokumentation aller Pflanzenschutzmaßnahmen gesetzlich vorgeschrieben. Handschriftliche Aufzeichnungen in der Ackerschlagkartei reichen nicht mehr aus — die Ackerschlagkartei muss digital geführt werden. Dazu kommen die erweiterte Düngedokumentation nach DüV und eine KI-Schulungspflicht, von der die meisten Landwirte noch nie gehört haben.

Dieser Artikel erklärt, was sich geändert hat, was du jetzt dokumentieren musst und welche Fördermöglichkeiten es gibt.

Hinweis: Dieser Artikel ist keine Rechtsberatung. Er dient der Orientierung und ersetzt nicht die Prüfung durch eine qualifizierte Beratungsstelle oder Rechtsanwaltskanzlei.

Was muss seit 2026 digital dokumentiert werden?

Die EU-Verordnung 2023/564 schreibt vor, dass Pflanzenschutzmaßnahmen elektronisch erfasst werden müssen — innerhalb von 30 Tagen nach jeder Anwendung. Für jede Anwendung sind folgende Angaben zu dokumentieren:

PflichtangabeNeu seit 2026?Beispiel
Datum und UhrzeitUhrzeit neu15.04.2026, 07:30
Geodatenbasierte FlächeJaFLIK-Nummer oder GPS-Koordinate, 4,2 ha
Kultur + EPPO-CodeEPPO-Code neuWinterweizen (TRZAW), BBCH 31
Pflanzenschutzmittel + ZulassungsnummerZulassungsnr. neuKarate Zeon, 024567-00
AufwandmengeNein1,5 l/ha
Art der VerwendungNeinFeldspritzung
AnwenderNeinKlaus Hofmann

Die Aufzeichnungen müssen mindestens 3 Jahre aufbewahrt werden. PDF ist als Format nicht zulässig — ab dem 01.01.2027 müssen die Daten sogar in maschinenlesbarem Format vorliegen (JSON, XML oder CSV). Deutschland hat mit der DVO 2025/2203 die Maschinenlesbarkeit um ein Jahr auf 2027 verschoben — 2026 reicht die digitale Erfassung.

Das klingt nach viel — und ist es auch. Auf Papier war das schon mühsam. Digital muss es jetzt revisionssicher und jederzeit vorzeigbar bei Kontrollen sein.

Was noch dazukommt: DüV, Statistisches Bundesamt, GAP

Die Pflanzenschutz-Dokumentation ist nicht die einzige Pflicht. Landwirtschaftliche Betriebe dokumentieren heute mehr als je zuvor:

Düngedokumentation (DüV §10)

Seit dem 1. Januar 2025 müssen alle Düngungsmaßnahmen innerhalb von 14 Tagen dokumentiert werden. Dazu gehören:

  • Art und Menge des Düngemittels
  • Behandelte Fläche (Schlag)
  • Datum der Ausbringung
  • Nährstoffbilanz (N, P)

Wer Gülle ausbringt, muss zusätzlich Sperrfristen und die 170 kg N/ha-Grenze beachten — und dokumentieren.

Statistisches Bundesamt

Alle paar Jahre kommt die Agrarstrukturerhebung — 12-seitige Formulare, die sich anfühlen wie eine Steuererklärung. Pflicht. Wer digitale Betriebsdaten hat, füllt diese Formulare in einer Stunde statt an einem ganzen Wochenende.

GAP-Anträge

Die Gemeinsame Agrarpolitik (GAP) verlangt jährlich detaillierte Flächenanträge mit Kulturartenangaben, Greening-Nachweisen und Konditionalitäten. Die Komplexität steigt jedes Jahr.

Tierbestandsmeldungen (HI-Tier)

Für Betriebe mit Tierhaltung: Geburten, Abgänge und Zugänge müssen innerhalb von 7 Tagen gemeldet werden. Verspätete Meldungen können Sanktionen nach sich ziehen.

Warum Excel und Papier nicht mehr reichen

Drei Gründe:

  1. Revisionssicherheit: Bei einer Kontrolle musst du nachweisen, wann du welche Daten erfasst hast. Ein Excel-Sheet kann nachträglich geändert werden — das ist nicht revisionssicher. Digitale Fachsysteme protokollieren jede Änderung.

  2. Fristen: 30 Tage für Pflanzenschutz, 14 Tage für DüV, 7 Tage für HI-Tier. Mit Papier und Excel verpasst du Fristen, ohne es zu merken.

  3. Kontrollen werden strenger: Die Behörden digitalisieren ihren eigenen Prüfprozess. Wer bei einer Kontrolle Papierordner durchblättert, während der Prüfer ein Tablet hat, steht schlecht da.

Welche digitalen Lösungen gibt es?

Kostenlose staatliche Angebote

Bevor du Geld ausgibst: Es gibt zwei kostenlose Plattformen, die speziell für die neue Pflanzenschutz-Dokumentation entwickelt wurden.

  • PSM-DOK (über ISIP): Verfügbar in 10 Bundesländern (BW, BB, HE, MV, NRW, RP, SL, SN, ST, SH). Die Daten bleiben lokal bei dir, nicht in einer zentralen Datenbank.
  • DiPAgE (Julius-Kühn-Institut): Bundesweit nutzbar, voraussichtlich ab Juli 2026 kostenlos verfügbar. Auch für Dienstleister und öffentliche Einrichtungen gedacht.

Beide Plattformen decken die gesetzlichen Pflichtfelder ab. Was sie nicht bieten: Integration mit Belegverarbeitung, Düngedokumentation oder individuelle Betriebsanpassungen.

Spezialisierte Ackerschlagkartei-Software

Es gibt etablierte Lösungen wie 365FarmNet, Ackerprofi (30 Tage kostenlos testbar), HELM, Plantivo (ab 75 €) oder P.A.u.L. (mit Spracheingabe). Diese digitalen Ackerschlagkarteien decken Pflanzenschutz-Dokumentation und DüV ab.

Vorteil: Branchenspezifisch, behördliche Schnittstellen teilweise integriert. Nachteil: Oft teuer (Jahresgebühren), wenig anpassbar, nicht immer offline-fähig, Daten liegen in der Cloud des Anbieters.

Individuelle Low-Code-Lösung

Eine Alternative sind maßgeschneiderte Datenbank-Anwendungen auf Low-Code-Plattformen. Diese können exakt an den eigenen Betrieb angepasst werden — nicht mehr und nicht weniger als das, was du brauchst.

Vorteil: Offline-fähig auf dem Tablet (entscheidend auf dem Feld ohne Mobilfunk), individuell anpassbar, Daten bleiben auf dem eigenen Server, einmaliger Festpreis statt Jahresabo. Nachteil: Braucht initiale Einrichtung durch einen Fachmann.

KI-gestützte Belegverarbeitung

Lieferscheine, Rechnungen, Prüfberichte und Bodenanalysen können per KI automatisch erfasst, klassifiziert und der richtigen Fläche oder Kultur zugeordnet werden. Beleg fotografieren → Daten sind in der Datenbank. Das spart Stunden pro Woche.

Die versteckte Pflicht: KI-Schulung nach AI Act

Seit dem 2. Februar 2025 gilt die KI-Schulungspflicht nach Art. 4 des EU AI Act. Das betrifft auch landwirtschaftliche Betriebe — und zwar mehr, als die meisten denken.

Du bist betroffen, wenn dein Betrieb eines dieser Tools einsetzt:

  • Precision-Farming-Software mit KI-gestützter Teilflächenbewirtschaftung
  • Wetterprognose-Apps mit KI-Vorhersagemodellen
  • Automatische Fütterungssysteme mit KI-Optimierung
  • Drohnen mit KI-Bilderkennung (Unkrauterkennung, Bestandsmonitoring)
  • ChatGPT oder andere KI-Tools für GAP-Anträge, Texte oder Berechnungen
  • Farm-Management-Software mit KI-Empfehlungen

Für jeden dieser Einsatzbereiche musst du nachweisen, dass die Nutzer über ausreichende KI-Kompetenz verfügen. Ab August 2026 greifen die vollen Sanktionsbefugnisse.

Mehr dazu: KI-Schulungspflicht 2025: Was KMU jetzt tun müssen

Förderung: Bund und Länder

Gute Nachricht: Digitalisierung in der Landwirtschaft wird gefördert — sowohl auf Bundes- als auch auf Landesebene.

FörderprogrammWas wird gefördertHöhe
Digitalisierungsförderung Landwirtschaft Hessen (seit 01.03.2026)Agrarsoftware, Sensortechnik, BeratungJe nach Programm
DIGI-Zuschuss HessenDigitalisierung in KMU, ab 4.000 € InvestitionBis 10.000 € (50 %)
BaySL Digital (Bayern)Agrarsoftware, Sensorik, Pflanzenschutztechnik500–40.000 € (25–40 %)
Digitalisierungsprämie Plus (Baden-Württemberg)Digitalisierung allgemein für UnternehmenÜber L-Bank
AFP (alle Bundesländer)Digitale Technik bei größeren Investitionen20–30 % Basis
BMLEH (Bund)KI und Digitalisierung in der LandwirtschaftAus 60 Mio. € Topf

Wichtig: In Bayern gilt: Vor Bewilligung begonnene Vorhaben werden nicht gefördert. Erst Antrag stellen, dann investieren.

Das bedeutet: Ein erheblicher Teil der Kosten für eine digitale Dokumentationslösung kann über Fördermittel gedeckt werden. Einen ausführlichen Überblick über alle Förderprogramme nach Bundesland findest du im Artikel Förderung Digitalisierung Landwirtschaft 2026.

3 konkrete Schritte, die du jetzt gehen kannst

Schritt 1: Inventar erstellen

Liste auf, was du heute dokumentierst und wie. Welche Pflichten erfüllst du digital, welche auf Papier, welche in Excel? Welche KI-Tools nutzt du oder dein Team?

Schritt 2: Digitale Lösung wählen

Vergleiche: Brauche ich eine Standard-Agrarsoftware oder eine individuelle Lösung? Muss sie offline funktionieren? Sollen meine Daten auf meinem eigenen Server bleiben? Was kostet sie — einmalig und laufend?

Schritt 3: Schulung und Dokumentation

Stelle sicher, dass du und dein Team mit den neuen Tools umgehen können — und dokumentiere das. Wenn du KI-Tools nutzt, ist die Schulung seit Februar 2025 gesetzliche Pflicht.

Häufige Fragen

Gilt die digitale Pflanzenschutz-Dokumentation auch für kleine Betriebe?

Ja. Die EU-Verordnung 2023/564 gilt unabhängig von der Betriebsgröße. Auch ein Betrieb mit 10 ha muss digital dokumentieren.

Was passiert, wenn ich bei einer Kontrolle nur Papier habe?

Die Konsequenzen variieren je nach Bundesland und Behörde. Im besten Fall eine Nachfrist, im schlechtesten Fall Bußgeld und Kürzung von GAP-Zahlungen.

Funktioniert das auch ohne Internet auf dem Feld?

Ja — wenn du die richtige Lösung wählst. Offline-fähige Anwendungen speichern die Daten lokal auf dem Tablet und synchronisieren automatisch, sobald wieder WLAN oder Mobilfunk verfügbar ist.

Sind die Fördermittel kombinierbar?

In der Regel ja, solange die Gesamtfördersumme den förderfähigen Betrag nicht übersteigt. Details beim zuständigen Amt für Ländlichen Raum oder dem RKW Hessen.

Nächster Schritt

Du bist unsicher, welche Dokumentationspflichten deinen Betrieb betreffen und wie du sie digital lösen kannst? Mach den kostenlosen Agrar-Check — ich prüfe deine Situation persönlich und schicke dir eine individuelle Einschätzung.

Alle Dokumentationspflichten auf einen Blick: Dokumentationspflichten Landwirtschaft 2026 — die vollständige Checkliste. Für einen Überblick über den gesamten AI Act lies den Artikel AI Act 2025: Was kleine Unternehmen jetzt wissen müssen. Und wenn du testen willst, wie Belegverarbeitung mit KI funktioniert: Rechnungsverarbeitung live-Demo.

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