Twenty vs HubSpot: CRM-Vergleich für kleine Unternehmen (2026)

Von René Koch 11 Min. Lesezeit
Vergleich CRM Twenty HubSpot Self-Hosted Open Source

Du suchst ein CRM für dein kleines Unternehmen und landest bei HubSpot. Der kostenlose Plan klingt großzügig: Kontakte verwalten, Deals tracken, E-Mails verfolgen — alles ohne zu zahlen. Dann wächst dein Team, du brauchst ein paar Automatisierungen, und plötzlich zahlst du 90 EUR pro Monat. Dann 450 EUR. Dann fragst du dich, wie du da reingeraten bist.

Es gibt einen anderen Weg: Twenty. Ein Open-Source-CRM, das auf deinem eigenen Server läuft. Keine Kontaktlimits, keine Abo-Gebühren, kein Vendor Lock-in. Aber ist Twenty wirklich eine ernsthafte Alternative zu HubSpot? Oder fehlt da zu viel?

Hier der ehrliche Vergleich — Feature für Feature, Euro für Euro.

Zwei CRMs, zwei Welten

HubSpot ist der Marktführer im Bereich Inbound-Marketing und CRM. Gegründet 2006, börsennotiert, genutzt von über 200.000 Unternehmen weltweit. Der kostenlose Plan ist bewusst großzügig, um dich ins Ökosystem zu ziehen. Die kostenpflichtigen Pläne sind bewusst teuer, um dich dort zu halten.

Twenty ist ein junges Open-Source-Projekt, das 2023 gestartet ist. Die Vision: ein modernes CRM mit der Ästhetik von Notion und der Offenheit von Linux. Self-hosted, mit GraphQL-API und ohne künstliche Limits. Einen ausführlichen Blick auf Twenty findest du in meinem Artikel CRM für kleine Unternehmen ohne Salesforce.

Der große Vergleich

KriteriumTwentyHubSpot
Kosten (Self-Hosted)0 EURNicht möglich
Kosten (Cloud)ab 9 USD/Nutzer/Monat0 EUR (Free), ab 20 EUR/Nutzer (Starter)
Professional-Plan— (alle Features inklusive)ab 90 EUR/Monat (3 Nutzer)
Enterprise-Planab 150 EUR/Monat (5 Nutzer)
KontaktlimitUnbegrenzt15 Mio. (Free), unbegrenzt (Paid)
NutzerlimitUnbegrenzt (self-hosted)5 (Free), nach Plan
DatenspeicherortDein Server (EU)USA (EU-Option bei Enterprise)
Deal-PipelineJa (Kanban)Ja (Kanban)
KontaktverwaltungJaJa (sehr ausgereift)
E-Mail-IntegrationJa (IMAP/SMTP)Ja (Gmail, Outlook, nativ)
E-Mail-TrackingJaJa
Aufgaben/AktivitätenJaJa
Marketing-AutomatisierungNein (über Mautic/n8n)Ja (ab Marketing Hub)
Landing PagesNeinJa (ab Marketing Hub)
FormulareNeinJa
Live-Chat/ChatbotNeinJa
Reporting/DashboardsGrundlegendUmfangreich
APIGraphQL (vollständig)REST (umfangreich)
WebhooksJaJa
Custom FieldsJa (beliebig erweiterbar)Ja (begrenzt im Free-Plan)
Custom ObjectsJaAb Enterprise
Workflow-AutomationÜber n8nAb Professional
Marketplace/IntegrationenAPI-basiert1.500+ native Integrationen
Mobile AppPWANative Apps (iOS + Android)
Open SourceJa (AGPL-3.0)Nein
Self-HostedJaNein
Vendor Lock-inKeinesHoch
LernkurveNiedrigNiedrig bis mittel

Kosten: Der versteckte HubSpot-Effekt

HubSpot: Kostenlos anfangen, teuer weitermachen

HubSpots kostenloser Plan ist ein Meisterwerk des Produkt-Marketings. Du bekommst genug, um das Tool zu lieben, aber zu wenig, um es ernsthaft zu nutzen. Der Moment, in dem du zahlst, kommt unweigerlich — und dann wird es schnell teuer.

Was im Free-Plan fehlt:

  • Marketing-Automatisierung (ab 20 EUR/Monat/Nutzer Starter, richtige Automation ab 880 EUR/Monat Professional)
  • Custom Reporting (ab Professional)
  • Workflow-Automatisierung (ab Professional)
  • Entfernung des HubSpot-Brandings (ab Starter)
  • Mehr als 5 E-Mail-Templates (ab Starter)
  • Telefonminuten über 15/Monat (ab Starter)

Typische Kostenstaffel für ein KMU:

PhasePlanKosten/Monat
Start (1-2 Nutzer)Free0 EUR
Wachstum (3-5 Nutzer)Starterab 60-100 EUR
Ernsthafter EinsatzProfessionalab 90-450 EUR
SkalierungEnterpriseab 150-1.500 EUR

Das Problem: Wenn du erst mal in HubSpot investiert hast — Kontakte, Workflows, Integrationen, Schulungen — wird ein Wechsel schmerzhaft. Das ist kein Bug, das ist das Geschäftsmodell.

Twenty: Transparent und planbar

Bei Twenty self-hosted zahlst du nur für den Server. Ein VPS mit 2-4 GB RAM kostet 10-20 EUR im Monat. Darauf laufen PostgreSQL und Twenty als Docker-Container. Keine Nutzergebühren, keine Kontaktlimits, keine Feature-Gates.

Kostenvergleich über 3 Jahre (5 Nutzer, 5.000 Kontakte):

Twenty (self-hosted)HubSpot (Starter)HubSpot (Professional)
Jahr 1ca. 180 EURca. 1.200 EURca. 5.280 EUR
Jahr 2ca. 180 EURca. 1.200 EURca. 5.280 EUR
Jahr 3ca. 180 EURca. 1.200 EURca. 5.280 EUR
Gesamtca. 540 EURca. 3.600 EURca. 15.840 EUR

Der Unterschied ist dramatisch. Über drei Jahre sparst du mit Twenty gegenüber HubSpot Starter über 3.000 EUR — und gegenüber HubSpot Professional über 15.000 EUR.

Datenhoheit und DSGVO

HubSpot: US-Firma, US-Server

HubSpot ist ein US-Unternehmen und speichert Daten standardmäßig auf US-Servern. Es gibt eine EU-Datenresidenz-Option, aber die ist Enterprise-Kunden vorbehalten — und selbst dann bleibt HubSpot eine US-Firma, die dem CLOUD Act unterliegt.

Für dich bedeutet das:

  • Auftragsverarbeitungsvertrag (AVV) mit HubSpot ist Pflicht
  • Datentransfer in die USA muss dokumentiert werden
  • Risiko bei Änderung der Rechtsgrundlage (EU-US Data Privacy Framework)
  • Eingeschränkte Kontrolle über Datenverarbeitung

Twenty: Deine Daten, dein Server

Twenty auf deinem eigenen Server in der EU bedeutet: keine Drittanbieter, kein Datentransfer, volle Kontrolle. Du bestimmst, wo die Daten liegen, wer Zugriff hat und wie lange sie aufbewahrt werden. Kein AVV mit einer US-Firma nötig, keine Unsicherheit wegen internationaler Datentransfers.

Für Unternehmen in regulierten Branchen — Steuerberater, Anwälte, Gesundheitswesen — ist das oft der entscheidende Punkt.

API-Vergleich: Wo Twenty glänzt

Hier hat Twenty einen überraschend starken Auftritt.

Twenty: GraphQL-API

Twenty nutzt GraphQL — eine moderne API-Technologie, die dir erlaubt, genau die Daten abzufragen, die du brauchst. Kein Over-Fetching, keine unnötigen API-Calls.

Was das in der Praxis bedeutet:

  • Du kannst mit einer einzigen Anfrage Kontakte mit ihren Deals, Aufgaben und E-Mails laden
  • Die API ist vollständig dokumentiert und selbst-beschreibend (Schema-Introspection)
  • Custom Fields sind automatisch in der API verfügbar
  • Webhooks für Echtzeit-Benachrichtigungen bei Änderungen

In Kombination mit n8n für Workflow-Automatisierung kannst du alles bauen, was HubSpot mit seinen Workflows kann — und mehr, weil du nicht auf HubSpots vordefinierte Aktionen beschränkt bist.

HubSpot: REST-API mit Limits

HubSpots API ist umfangreich und gut dokumentiert. Aber:

  • Rate Limits: Der kostenlose Plan erlaubt 100 API-Calls pro 10 Sekunden. Für Automatisierungen mit vielen Kontakten kann das eng werden.
  • Feature-Gates: Nicht alle API-Endpunkte sind in allen Plänen verfügbar. Custom Objects über die API? Nur ab Enterprise.
  • Proprietäres Format: HubSpots Datenmodell ist proprietär. Ein Export ist möglich, aber die Daten in ein anderes System zu überführen, erfordert Mapping und Transformation.

Wo HubSpot besser ist — ehrlich gesagt

Fairness ist mir wichtig. HubSpot hat Stärken, die Twenty (noch) nicht erreicht.

Marketing-Suite

HubSpot ist nicht nur ein CRM — es ist eine komplette Marketing-Plattform. Landing Pages, Formulare, E-Mail-Marketing, Social Media, SEO-Tools, Chatbots, Live-Chat. Alles aus einem Guss, alles nativ integriert. Wenn du eine All-in-One-Marketinglösung suchst und bereit bist, dafür zu zahlen, bietet HubSpot das umfassendste Paket.

Twenty hat diese Funktionen nicht eingebaut. Aber: Du kannst sie mit Self-Hosted-Tools ergänzen. Mautic für E-Mail-Marketing, Cal.com für Terminbuchung, n8n als Bindeglied. Das erfordert mehr Einrichtungsaufwand, gibt dir aber auch mehr Flexibilität und keine Vendor-Abhängigkeit.

Reporting und Dashboards

HubSpots Reporting ist ausgereift. Benutzerdefinierte Dashboards, Funnel-Analysen, Attribution-Reports, Forecasting. Du siehst auf einen Blick, wie dein Vertrieb performt, wo Deals stecken bleiben und welche Kanäle die meisten Leads bringen.

Twenty bietet grundlegende Ansichten und Filter, aber kein vergleichbares Reporting. Für tiefgehende Analysen müsstest du die Daten über die API exportieren und in einem BI-Tool wie Metabase oder Grafana visualisieren.

Onboarding und Support

HubSpot bietet umfangreiche Schulungen (HubSpot Academy), zertifizierte Partner, E-Mail- und Telefon-Support, eine aktive Community und tausende YouTube-Tutorials. Wenn du ein Team onboarden willst, ist die Infrastruktur da.

Twenty hat eine wachsende Community und gute Dokumentation, aber keinen dedizierten Support. Wenn du auf ein Problem stößt, bist du auf die Community, GitHub Issues oder eigene Problemlösung angewiesen.

Integrationen

HubSpots Marketplace hat über 1.500 native Integrationen. Slack, Gmail, Outlook, Shopify, WordPress, Stripe, Asana, Jira — fast jedes Tool, das du nutzt, hat eine HubSpot-Integration. Bei Twenty baust du Integrationen selbst, über die API und n8n. Das ist flexibler, aber auch aufwändiger.

Wo Twenty besser ist

Kein Upsell-Druck

Twenty zeigt dir keine Banner mit “Upgrade für mehr Features”. Es gibt keine künstlich beschnittenen Funktionen, keine Feature-Gates, keine “Dieses Feature ist in Ihrem Plan nicht verfügbar”-Dialoge. Was du installierst, bekommst du — vollständig.

Moderne Oberfläche

Twentys UI ist frisch und aufgeräumt. Die Navigation ist schnell, die Typografie angenehm, das Design erinnert an Notion oder Linear — nicht an Enterprise-Software aus den 2000ern. Im direkten Vergleich wirkt HubSpots Interface manchmal überladen, besonders wenn du nur die CRM-Kernfunktionen nutzt.

Custom Objects ohne Enterprise-Plan

Bei HubSpot brauchst du den Enterprise-Plan (ab 150 EUR/Monat) für Custom Objects — also eigene Datentypen neben Kontakten, Unternehmen und Deals. Bei Twenty erstellst du beliebige Objekte direkt in der Oberfläche. Immobilien, Maschinen, Projekte, Fahrzeuge — was auch immer dein Geschäftsmodell braucht, ohne Aufpreis.

Datenmigration und Exit-Strategie

Wenn du Twenty verlassen willst, exportierst du deine PostgreSQL-Datenbank. Die Daten gehören dir, das Format ist offen, die Migration ist machbar. Bei HubSpot ist ein Export möglich, aber das proprietäre Datenmodell macht einen sauberen Umzug aufwändig. Je länger du HubSpot nutzt und je mehr Workflows du baust, desto schwieriger wird der Absprung.

Vollständige Kontrolle über Updates

Du entscheidest, wann du Twenty aktualisierst. Kein erzwungenes Update über Nacht, das deine Workflows bricht. Bei HubSpot bekommst du, was HubSpot ausrollt — Änderungen an der UI, neue Features, die du nicht brauchst, oder Deprecations von Funktionen, die du täglich nutzt.

Der Self-Hosted-Stack: Twenty als Herzstück

Twenty entfaltet seine volle Stärke als Teil eines Self-Hosted-Stacks. So sieht mein Setup aus:

FunktionToolKosten
CRMTwenty0 EUR
E-Mail-MarketingMautic0 EUR
Automatisierungn8n0 EUR
TerminbuchungCal.com0 EUR
VideokonferenzJitsi0 EUR
DokumentenmanagementPaperless-ngx0 EUR
ServerVPSca. 30 EUR/Monat
Gesamtca. 30 EUR/Monat

Das gleiche Funktionspaket bei HubSpot, Mailchimp, Calendly und Zoom zusammen kostet schnell 200-500 EUR im Monat — und deine Daten liegen auf fünf verschiedenen US-Servern.

Die Verbindung zwischen den Tools übernimmt n8n:

  • Neuer Kontakt in Twenty? Automatisch in Mautic importieren
  • Deal abgeschlossen? Rechnung erstellen und E-Mail senden
  • Formular ausgefüllt? Kontakt anlegen, Aufgabe erstellen, Benachrichtigung senden

Mehr dazu im Artikel Workflows automatisieren ohne Code.

Meine Empfehlung

Die Entscheidung zwischen Twenty und HubSpot ist im Kern eine Entscheidung zwischen Kontrolle und Komfort.

Nimm Twenty, wenn du:

  • Datenhoheit ernst nimmst und deine Kundendaten nicht in die USA schicken willst
  • Langfristig Kosten sparen willst — besonders ab 3-5 Nutzern
  • Bereit bist, einen Server zu betreiben oder betreiben zu lassen
  • Flexible Integrationen über API und n8n bevorzugst statt eines geschlossenen Ökosystems
  • Custom Objects brauchst, ohne Enterprise-Preise zu zahlen
  • Eine moderne, schnelle Oberfläche ohne Bloat willst

Nimm HubSpot, wenn du:

  • Eine All-in-One-Lösung für Marketing, Vertrieb und Service brauchst
  • Keinen Server betreiben willst und auch niemanden hast, der das tut
  • Umfangreiche native Integrationen mit deinen bestehenden Tools brauchst
  • Detailliertes Reporting und Forecasting für dein Vertriebsteam benötigst
  • Bereit bist, für Komfort und Ökosystem zu zahlen — und den wachsenden Preis akzeptierst

Für die meisten KMU, die ich berate, ist Twenty die bessere Wahl. Nicht weil HubSpot schlecht ist — im Gegenteil, es ist ein exzellentes Produkt. Aber die Kosten-Nutzen-Rechnung stimmt für kleine Unternehmen oft nicht. Du zahlst HubSpot-Preise für Features, die du zu 80 % nicht nutzt. Und die 20 %, die du nutzt, bekommst du mit Twenty kostenlos — plus volle Datenkontrolle obendrauf.


Du willst mehr über Twenty erfahren? Dann lies meinen ausführlichen Artikel CRM für kleine Unternehmen ohne Salesforce — mit Setup-Anleitung, Feature-Übersicht und Praxisbeispielen. Und wenn du dein CRM mit E-Mail-Marketing verbinden willst, schau dir an, wie du E-Mail-Marketing DSGVO-konform mit Mautic umsetzt.

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