Jedes Zoom-Meeting wird über US-Server geroutet. Jede Aufzeichnung liegt bei Zoom. Für interne Besprechungen. Mit Kundendaten. Und du zahlst dafür auch noch 14 Euro pro Monat pro Lizenz. Es gibt eine Alternative, die auf deinem eigenen Server läuft, nichts kostet und bei der kein Byte dein Netzwerk verlässt: Jitsi Meet.
Jitsi Meet: Was, warum, wie
Jitsi Meet ist eine Open-Source-Videokonferenzlösung. Das Projekt existiert seit 2003, wird aktiv weiterentwickelt und von Unternehmen wie 8x8 unterstützt. Die Technik basiert auf WebRTC – dem gleichen Standard, den auch Google Meet und andere Browser-basierte Konferenztools nutzen.
Was Jitsi besonders macht:
- Kein Account nötig – Teilnehmer klicken einen Link und sind im Meeting. Kein Download, keine Registrierung, kein “Bitte erstellen Sie erst ein Konto”
- Komplett self-hosted – du betreibst den Server, du kontrollierst die Daten
- Open Source – der Code ist öffentlich einsehbar, keine versteckten Tracker, keine Telemetrie
- Browser-basiert – funktioniert in Chrome, Firefox, Edge und Safari. Es gibt auch native Apps für iOS und Android
- Aufzeichnung möglich – mit Jibri kannst du Meetings aufnehmen, direkt auf deinem Server
- Screen-Sharing, Chat, Hand heben – alles was du von Zoom kennst, ist da
Bei mir läuft Jitsi als Teil meines Docker-Stacks. Fünf Container, ein Traefik-Reverse-Proxy davor, fertig. Unter meet.rene-koch.com erreichbar, SSL-verschlüsselt, ohne dass ich irgendeinem US-Unternehmen vertrauen muss.
Zoom vs. Teams vs. Jitsi
Die drei Tools im direkten Vergleich:
| Kriterium | Zoom | Microsoft Teams | Jitsi Meet (self-hosted) |
|---|---|---|---|
| Kosten | ab 13,33 €/Monat/Lizenz | ab 4,00 €/Monat/Nutzer (im M365-Paket) | 0 € (nur Serverkosten) |
| Datenspeicherort | USA (teilweise EU-Option) | USA / EU (je nach Vertrag) | Dein Server, dein Land |
| Max. Teilnehmer | 100-1.000 (je nach Plan) | 100-1.000 (je nach Plan) | 75-100 (je nach Server) |
| Aufzeichnung | Ja, Cloud oder lokal | Ja, Cloud | Ja, auf eigenem Server (Jibri) |
| Screen-Sharing | Ja | Ja | Ja |
| Account für Teilnehmer nötig | Nein (mit Link) | Ja (für volle Funktionen) | Nein |
| Self-Hosted möglich | Nein | Nein | Ja |
| Ende-zu-Ende-Verschlüsselung | Optional (eingeschränkt) | Für 1:1-Calls | Ja (experimentell für Gruppen) |
| DSGVO ohne AVV | Nein | Nein | Ja |
Der entscheidende Punkt: Bei Zoom und Teams brauchst du einen Auftragsverarbeitungsvertrag, musst Datenübermittlungen in Drittstaaten dokumentieren und hoffst, dass die Rechtsgrundlage hält. Bei Jitsi auf deinem eigenen Server gibt es keine Datenübermittlung. Die Frage stellt sich nicht.
Setup in 30 Minuten
Ich werde hier kein vollständiges Tutorial schreiben – das gibt es in der Jitsi-Dokumentation. Aber ich will zeigen, dass das Setup kein Hexenwerk ist.
Mein Jitsi-Stack besteht aus fünf Docker-Containern:
| Container | Funktion |
|---|---|
| jitsi-web | Das Web-Frontend, das die Nutzer sehen |
| jitsi-prosody | XMPP-Server für die Signalisierung |
| jitsi-jicofo | Conference Focus – verwaltet die Konferenzen |
| jitsi-jvb | Video Bridge – routet die Video-Streams |
| jitsi-jibri | Recording-Service für Aufzeichnungen |
Davor steht Traefik als Reverse Proxy mit automatischem Let’s Encrypt SSL. Das bedeutet: HTTPS-Zertifikat wird automatisch erstellt und erneuert, ohne dass du dich darum kümmern musst.
Der Ablauf:
- Docker Compose File erstellen (oder meins als Vorlage nehmen)
- Umgebungsvariablen setzen – Domain, Passwörter, Zeitzone
docker compose up -d– Container starten- Traefik erkennt den neuen Service automatisch, holt das SSL-Zertifikat
- Fertig – unter deiner Domain ist Jitsi erreichbar
Kein Apache konfigurieren, kein Nginx, keine manuellen Zertifikate. Die Container reden über ein internes Docker-Netzwerk miteinander, nach außen ist nur Port 443 (HTTPS) und Port 10000/UDP (für Video-Streams) offen.
Für die Aufzeichnungsfunktion braucht Jibri etwas mehr Ressourcen – der Container nutzt Chrome im Headless-Modus, um das Meeting aufzuzeichnen. Ich habe dafür 2 GB RAM reserviert und ein Shared-Memory-Volume von 2 GB konfiguriert. Funktioniert stabil, auch bei längeren Meetings.
Integration mit Cal.com
Das ist der Punkt, an dem es richtig praktisch wird. Wenn du Cal.com für die Terminbuchung nutzt, lässt sich Jitsi direkt integrieren.
So funktioniert es bei mir:
- Ein Kunde bucht einen Termin über Cal.com auf meiner Website
- Cal.com erstellt automatisch einen Jitsi-Meeting-Raum
- Der Meeting-Link wird in die Bestätigungs-E-Mail eingebaut
- Zum Termin klickt der Kunde auf den Link – fertig
Kein manuelles Erstellen von Meeting-Räumen. Kein Kopieren von Links. Kein “Moment, ich schick dir noch den Zoom-Link”. Das Ganze läuft über die Jitsi-Integration in Cal.com – ich habe einfach meet.rene-koch.com als Jitsi-Host-URL hinterlegt, und Cal.com generiert für jeden Termin automatisch einen einzigartigen Raum-Namen.
Der Vorteil: Alles bleibt auf meiner Infrastruktur. Cal.com auf meinem Server, Jitsi auf meinem Server, die Video-Streams über meinen Server. Kein Dritter sieht, wann ich mit wem spreche.
Für wen Jitsi Sinn macht
Nicht jeder braucht eine selbst gehostete Videokonferenzlösung. Wenn du einmal im Monat mit einem Kollegen sprichst, reicht auch ein normaler Telefon-Anruf. Aber es gibt Szenarien, in denen Jitsi die bessere Wahl ist:
Unternehmen mit regelmäßigen internen Meetings: Wenn dein Team sich täglich oder wöchentlich per Video trifft, summieren sich die Zoom-Lizenzen. Bei 10 Mitarbeitern sind das über 130 Euro pro Monat – für etwas, das du kostenlos auf deinem eigenen Server haben kannst.
Kundengespräche mit sensiblen Inhalten: Anwälte, Steuerberater, Ärzte, Handwerker mit Baustellenbesprechungen – überall dort, wo personenbezogene Daten oder vertrauliche Informationen besprochen werden, ist ein selbst gehostetes System die sauberere Lösung.
Remote-Teams in der EU: Wenn dein Team verteilt arbeitet und du DSGVO-konform bleiben willst, ohne ständig über Rechtsgrundlagen für US-Transfers nachzudenken, ist Jitsi die einfachste Antwort.
Schulen und Bildungseinrichtungen: Jitsi unterstützt Lobbys, Passwortschutz und Moderationsrechte. Für Online-Unterricht ohne Datenschutz-Kopfschmerzen eine solide Wahl.
Wann Jitsi weniger passt: Für Webinare mit 500+ Teilnehmern oder Konferenzen mit professionellen Breakout-Rooms ist Zoom aktuell noch besser ausgestattet. Jitsi wird ab etwa 75-100 gleichzeitigen Teilnehmern pro Meeting anspruchsvoll – das hängt aber stark von deiner Server-Hardware ab.
Häufige Fragen
Wie viele Teilnehmer unterstützt Jitsi?
In der Praxis laufen Meetings mit 10-30 Teilnehmern stabil auf einem mittelgroßen Server (4 CPU-Kerne, 8 GB RAM). Bis 75 Teilnehmer ist es mit guter Hardware machbar. Darüber hinaus brauchst du entweder einen stärkeren Server oder mehrere Video Bridges, die die Last verteilen. Für die meisten kleinen und mittleren Unternehmen reicht ein einzelner Server völlig aus – die typische Besprechung hat 3-8 Teilnehmer.
Kann ich Meetings aufzeichnen?
Ja, mit Jibri (Jitsi Broadcasting Infrastructure). Jibri läuft als separater Docker-Container und zeichnet das Meeting als Video-Datei auf deinen Server auf. Die Aufnahme startet per Klick im Meeting – genau wie bei Zoom. Der Unterschied: Die Datei liegt auf deinem Server, nicht in irgendeiner Cloud. Ich habe das bei mir eingerichtet und nutze es für Kundengespräche, bei denen ich im Nachgang nochmal Punkte nachschauen möchte.
Brauchen Teilnehmer einen Account?
Nein. Das ist einer der größten Vorteile. Du schickst einen Link, der Teilnehmer klickt drauf, gibt seinen Namen ein und ist im Meeting. Kein Download, kein Account, keine App – alles läuft im Browser. Optional kannst du als Host eine Authentifizierung einrichten, sodass nur du Meetings erstellen kannst, aber Teilnehmer können immer ohne Account beitreten.
Wie ist die Videoqualität?
Jitsi nutzt WebRTC, den gleichen Standard wie Google Meet. Die Qualität hängt von drei Faktoren ab: deiner Server-Bandbreite, der Internetverbindung der Teilnehmer und der Anzahl der Teilnehmer. Bei 1:1-Calls läuft das Video direkt Peer-to-Peer – da ist die Qualität identisch mit Zoom. Bei Gruppen-Calls routet die Video Bridge die Streams, und die Qualität passt sich automatisch an die verfügbare Bandbreite an. In meinen Tests mit 5-10 Teilnehmern war die Qualität durchgehend gut, mit HD-Video und klarem Audio. Für optimale Ergebnisse sollte dein Server mindestens 100 Mbit/s Upload haben.
Du willst sehen, wie Jitsi in den Gesamtkontext eines self-hosted Stacks passt? Dann lies weiter bei 65 Docker-Container – was ich damit mache. Wenn dich die Terminbuchungs-Integration interessiert, findest du alles dazu bei Terminbuchung selbst hosten mit Cal.com. Und wenn du dir das alles nicht selbst aufbauen willst, sondern einfach eine funktionierende, datenschutzkonforme Videokonferenzlösung brauchst – lass uns reden.